27.03.2003 - Mission Beach - Tully
Bananenernte  Unter Wasser

27.03.2003 kurze Mitteilung per E-Mail
Sind gerade in Mission Beach und gehen ab morgen arbeiten. Bananenpflücken. Schöne Grüße einstweilen.
Alex und Nini

02.04.2003 kurze Mitteilung per E-Mail
Hallo zusammen, sind seit Freitag in Tully in einem Backpacker und rackern seit Montag wie die Blöden auf einer Bananenplantage. Deshalb sind wir momentan nicht in der Lage, größere E-Mails oder Berichte zu schreiben, da wir zu müde sind. Sollten wir am Wochenende irgend wann mal aufwachen, holen wir alles nach. Die Fotos kommen diesmal per Post.
Liebe Grüße, Alex und Nini

05.04.2003 Reisebericht
An einem Abend fuhren wir ca. 180 km von Townsville nach Mission Beach. Ist nicht viel los dort, aber der 14 km lange Starnd ist ein Traum. Blöd, dass man nirgends ins Wasser gehen kann wegen den gefährlichen Quallen, außer mit Stinger Suit (so 'ne Art Tauchanzug). Zwei Wochen zuvor ist in Mission Beach erst wieder ein kleiner Junge daran gestorben.

Schönes Wochenende Schönes Wochenende Schönes Wochenende

Zwei Tage später fuhren wir nach Tully, suchten uns 'nen Backpacker (Bananabarracks), wo wir uns auch gleich um Arbeit kümmerten. Am Montag sollte es losgehen. Also hatten wir noch das Weekend zum Erholen. Hier in Tully ist nichts los, rein gar nichts. Nur eine Straße mit den nötigsten Geschäften. Eigentlich eine reine Arbeiterstadt mit vielen abgefuckten Leuten. Der Backpacker, der übrigens sehr laut ist, hat aber eine kleine Bar. Da ist wenigstens mit Billiard und Musikbox ein bißchen was los. Am Sonntag waren wir noch in Mission Beach am Strand. Des sind ungefähr 25 km von Tully. Wir machten am Strand ordentlich Picknick und aßen frisch runtergefallene Kokosnüsse like Robinson Crusoe. Zurück am Backpacker bekamen wir Bescheid, wo wir Arbeiten müssen und dann ab ins Bett, weil um fünf der Wecker klingelt.

Montag um 5 klingelte der Wecker und lauter verschlafene Backpacker krabbeln aus den Federn und versuchen in Kürze zu frühstücken, um dann zum Bus zu kommen. Da gehts zu in der Früh, wie am Stachus. Wir sind zu zwölft im Zimmer. Eine Japanerin, die Hund lieber isst, als Katze und Pornos auf ihrem hypermodernen Laptop anschaut, ein Schwede, der alten Fisch isst, ein Engländerpärchen, wo er die ganze Nacht kotzt und das nicht nur auf'm Klo, nur weil er keinen Wein verträgt. Die anderen sind neu und ohne Auffälligkeiten. Wir glauben aus Schweden, Norwegen und England. In der Früh ist in Tully am meisten los, weil sich alle an verschiedenen Stellen treffen und auf die Busse warten, die sie dann zu den Farmen bringen. Alex ist auf der Bolinda Farm und Nini auf der Davidson Farm. Beide fahren wir ungefähr eine halbe Stunde bei Sonnenaufgang hin und dann gehts auch schon los.

Schürze und Gummihandschuhe an und Abmarsch an die Bananis. Jeweils 2 Stunden und dann Pause. Insgesamt 8 Stunden am Tag. Man steht am Fließband und schneidet (clustern) und sortiert und beides auf einmal. Oder man zieht die Bags von den Bananen, wo ab und zu Frösche, jede Menge Spinnen und auch Schlangen drin sind. Man zieht sie von den ganzen Stauden ab und wird sogar manchmal von den Spiders gebissen. Am Fließband ist es sehr stressig, weil kein Ende her geht und das Band extrem schnell läuft. Wir hatten nicht gedacht, dass es so anstrengend ist, noch dazu den ganzen Tag stehen und das bei der Hitze.

Alles wegen den Drecksbananen Alles wegen den Drecksbananen Alles wegen den Drecksbananen Alles wegen den Drecksbananen

Ausschauen tun wir mal wieder wie die Schweine, da die Bananen ein Säure drin haben. Das gibt Flecken, die nicht mehr rausgehen. Wenn wir fertig sind, machen wir Fotos von unserer Kleidung. Und man ist ständig nass, weil die Bananen überall gewässert werden und an den Fließbändern im Wasser schwimmen. In Ninis Farm arbeiten ungefähr 100 in Alex Farm ca. 150 Leute. Freitags gibts bei jedem BBQ, wahrscheinlich als Belohnung. Zurück im Backpacker, schnell essen und spätestens um 8 ins Bett, was nicht schwer fällt, da in Tully nicht viel los ist. Kein Kino, kein Mc Donalds, kein gescheites Internet, gar nichts. Hier ist aber 'ne nette Bar beim Backpacker, der auch Raftingtouren anbietet. Das ist immer ganz nett. Am Weekend fährt man nach Mission Beach oder wir sahen uns ein Rugbyspiel an. Sonst nur entspannen, lesen und essen. Morgen gehts wieder los und wir wünschten uns, es wäre schon Freitag und wir könnten mit unserm Free Bon für ein Jug Bier in der Raftersbar sitzen (ein Jug Bier ist ein ca. 1 Liter großer Krug voll Bier). Aber die Kohle stimmt einigermaßen. Wir bekommen jeden Freitag Geld auf unser australischen Konto überwiesen. Das baut auf. Also allen eine schöne Woche.

30.04.2003 Reisebericht
Bei den Bananenfarmen in Tully war außer ein paar Schlangen und viel Arbeit eigentlich nichts neues mehr, bis wir dann Besuch aus Bayern bekamen.
Besuch bei den Bananen Besuch bei den Bananen Besuch bei den Bananen Besuch bei den Bananen Besuch bei den Bananen
Gerti, Moni,Kathi und Corinna kamen auf ihrer 4-wöchigen Reise an der Ostküste mal kurz in Tully vorbei, um mit uns in der Backpacker Bar einen Trink zu nehmen. War echt total lustig. Leider mussten wir am nächsten Tag arbeiten und somit dauerte es nicht allzulang. Die vier blieben dann mit ihrem Camper am Parkplatz über Nacht und fuhren weiter nach Innisfail, wo wir dann beschlossen, sie am Abend zu besuchen, da ja gottseidank mal wieder Wochenend war. Gesagt getan, fuhren wir am Abend zu Ihnen, an einen Camper, wo wir auch noch umsonst schlafen durften, dank der netten Besitzer. Wir wurden mit Schinkennudeln bekocht, hörten Goassbergmusi und hatten jede Menge zu lachen. Dort haust auch ein Deutscher namens Jürgen, der auf dem Camper schon 6 Jahre ist und uns mit Heimatmusik wie Kastelruther und Zillertaler unterhielt. Recht zünftig.

Am nächsten Tag fuhren die vier Mädels weiter nach Cairns und wir zurück nach beautiful und lovely Tully (in Australien ist übrigens alles lovely und beautiful). Eine weitere Woche arbeiten, wobei die Aussies genauso Osterfeiertage haben wie wir, also Karfreitag (Good Friday) und Ostermonntag frei. Da hats geregnet wie aus Kübeln, somit außer gemütlich nicht viel gewesen. Am Freitag gabs traditionell Fisch und am Sonntag hatte jeder von uns ein paar Ostereier und ein kleines Parfüm im Nest, das wir uns gegenseitig kauften. Nur noch drei Tage arbeiten, da am Freitag schon wieder Feiertag ist, der sogenannte Anzacday, eine Art Veteranen-Feiertag. Und dann beschlossen wir, genug mit den Drecksbananen und fuhren am Freitag früh weiter nach Cairns. Am Abend davor ließen wir aber alles noch mit einem Besuch im (wie wir meinen) abgefucktesten Pub in Aussie ausklingen, dem "Top-Pub". Und das auch nur weil ein paar Mitarbeiter unserer Farmen dort in der Karaoke auftraten und das war echt zum schreien. Betrunkene Aborigines auf der Bühne und einer singt falscher und zugleich lustiger, wie der andere. Ein Spektakel zum Scheisse schreien. Plötzlich waren auch die Hexen, die in der Arbeit immer so gemein zu uns waren, sehr freundlich. Was der Alkohol nicht alles aus Menschen macht. Wir begannen schon zu überlegen, schon noch eine Woche zu machen. Aber nur kurz, 5 Minuten, bis wir wieder zur Besinnung kamen und am nächsten Morgen Tully und den Drecksbananen den Rücken kehrten.
Tully zum Abschied Tully zum Abschied Tully zum Abschied